Eine für Katzen recht typische Entzündungsform sind sogenannte Abszesse (Eitergeschwüre), bei denen der Körper bakterielle Krankheitserreger, aber auch Fremdkörper wie z. B. Grannen mit Hilfe von Abwehrzellen (z. B. weißen Blutkörperchen) in einem von Bindegewebe umschlossenen Hohlraum bekämpft und unschädlich macht. Dabei wird Gewebe eingeschmolzen und gleichzeitig eine bindegewebige Kapsel gebildet, die den Eiterherd vom umliegenden Gewebe abgrenzt. Abszesse können im Unterhautgewebe (Weichteilabszess) oder in der Maulhöhle, aber ebenso in inneren Organen wie der Leber von Katzen vorkommen.

Freigängerkatzen und ihre Revierkämpfe

Katzen, die Freigang haben und in ihrem Revier einen Rivalen treffen, versuchen in der Regel, diesen zu verscheuchen. Insbesondere unkastrierte Kater kommen so regelmäßig mit Bissverletzungen oder tiefen Kratzern nach Hause. Entdeckt man die Blessuren sofort, ist es ratsam, mit einer für Tiere geeigneten Wunddesinfektionslösung die Wunde zu betupfen oder auszuspülen. Eine Bisswunde erkennen Sie an roten Punkten, den Eindringstellen der spitzen Fangzähne des Ober- und Unterkiefers, oft umgeben von verklebten Haaren. Wenn Sie zwei davon erkennen, suchen Sie bitte immer nach dem „Gegenbiss“, um alle Stellen zu behandeln. Sind Keime in die Haut eingedrungen, kann es je nach Schwere der Verletzung innerhalb weniger Tage nach dem Kampf zu einer Schwellung kommen, die sich zunächst teigig, bei weiterer „Reifung“ zunehmend weicher und warm bis heiß anfühlt. Diese Schwellung deutet auf eine Abszessbildung hin, die einer tierärztlichen Behandlung bedarf. Mit Fortschreiten der Entzündung kommt es auch häufig zu Fieber und damit einhergehend einem schlechten Allgemeinbefinden und reduzierten Appetit Ihrer Samtpfote. In diesem Stadium ist eine tierärztliche Behandlung unabdingbar. Weitere Auslöser für Abszesse im Unterhautgewebe sind neben Revierkämpfen – der bei Katzen häufigsten Ursache – Grannen und andere Fremdkörper.

Tierärztliche Behandlung eines Weichteilabszesses

In unserer Klinik werden Abszesse vorsichtig geöffnet, um das eitrige Sekret abzulassen. Dies geschieht in Abhängigkeit von der Toleranz des Patienten unter lokaler Betäubung oder unter Vollnarkose. Die Abszesshöhle wird anschließend sorgfältig gespült und lokal mit einem Antiseptikum behandelt. Über die geschaffene Wundöffnung kann neu gebildetes Sekret abfließen. Bei großen Abszessen mit längerer Heilungsdauer wird eine Drainage eingelegt, die die Wunde offen hält, denn ein zu rascher Wundverschluss kann zu erneuter Eiteransammlung führen. Außerdem erhält die Katze ein Schmerzmittel und ein Antibiotikum per Injektion sowie in Form von Tabletten und/oder Saft für die Weiterbehandlung zuhause.
Die Nachsorge besteht aus regelmäßigen Kontrollen und je nach Größe des Abszesses weiteren Spülungen der Wundhöhle, damit diese von innen heraus zuheilen kann. Bei konsequenter Behandlung und Ruhe heilt ein Abszess bei Katzen in der Regel sehr gut ab. Um zu verhindern, dass die Katze die Wunde beleckt, kommt ein Halskragen zum Einsatz, sofern sich der Abszess nicht im Kopf-/Halsbereich befindet. Freigänge Ihrer Samtpfote sollten bis zur Abheilung unterbleiben, um ein Eindringen von Schmutz in die Wunde zu vermeiden.

Abszesse im Bereich der Maulhöhle

Relativ häufig finden sich bei Katzen Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) oder Entzündungen des Zahnhalteapparates (Parodontitis). Im Zuge dieser entzündlichen Prozesse kann es zum Eindringen von Bakterien in die Schleimhaut und die Strukturen rund um den Zahn kommen. Oft liegt die Ursache einer Abszessbildung in einer entzündeten und in Auflösung befindlichen Zahnwurzel, wobei der umliegende Knochen in vielen Fällen ebenfalls angegriffen wird und ein Kieferabszess entsteht.
Mittels Röntgenuntersuchung lassen sich die genaue Lokalisation und Größe des Eiterherds feststellen. Um die Ursache zu beseitigen, muss der Zahn entfernt werden. Eine antibiotische Behandlung bis zum Abklingen der Entzündung komplettiert die Therapie.

Abszesse in inneren Organen

Auch an inneren Organen, vor allem in der Leber, können sich Abszesse entwickeln. Diese sind nur mit Hilfe von bildgebenden Verfahren wie Ultraschall oder Röntgen/CT auffindbar. Ihre Entfernung erfolgt chirurgisch, wobei die intensive Nachsorge mit Drainage, Schmerztherapie sowie systemischer Antibiose in der Regel einen stationären Klinikaufenthalt des Patienten erfordert.