Kaninchen können bei Einhaltung einer tierschutzgerechten Unterbringung sowie sorgfältiger Pflege das ganze Jahr in einem Außengehege leben. Diese artgerechte Haltungsweise ist relativ aufwendig und erfordert eine solide Sachkenntnis, um den Bedürfnissen der Kaninchen bei jedem Wetter gerecht zu werden.

Das Gehege

Standort

Da Kaninchen hitzeempfindlich sind, sollte ihr Gehege an einem geschützten, halbschattigen Ort im Garten (z. B. in der Nähe eines Baums) stehen. Zu jeder Tageszeit muss sich ein Teil des Geheges im Schatten befinden. Notfalls leistet ein Sonnenschirm gute Dienste. Für eine Gruppe von drei bis fünf Kaninchen (ideale Gruppengröße) reicht eine Gehegegröße von etwa sechs Quadratmetern aus. Der Untergrund muss unbehandelt, also frei von Dünger oder Pflanzenschutzmitteln sein.

Bauweise

Das Gehege sollte so konstruiert sein, dass Sie es ohne Umstände und ohne die Tiere zu erschrecken öffnen können. Zahlreiche Bauanleitungen finden Sie im Internet. Verankern Sie das Gehege fest im Boden, so dass weder potentielle Eindringlinge wie Marder, Füchse, Hunde und Katzen zu den Kaninchen hineingelangen, die Kaninchen aber auch nicht ausbrechen können. Durch Drahtgeflecht, das 50 bis 60 cm tief in den Boden eingegraben und oberirdisch fest mit dem Oberteil verbunden wird, stellen Sie sicher, dass sich kein Tier unter dem Zaun hindurchgraben kann. Mit der Anbringung von Drahtgitter auf allen Seiten und oben sichern Sie Ihre Kaninchen auch gegen Greifvögel, die auf Beutefang sind.

Grundausstattung

Im Gehege sollte sich eine gut isolierte, wetterfeste und frostsichere Schutzhütte befinden. Diese sollte auf verschiedenen Ebenen Unterschlupfmöglichkeiten und Schlafplätze bieten, die über Rampen zu erreichen sind. Die leicht erhöhten und überdachten Fressplätze des Geheges sollten stets gut zugänglich sowie sauber und trocken sein, Frischfutter und Trinkwasser müssen täglich erneuert werden. Im Winter sollte zusätzlich ein Fressplatz inklusive Wasserschale in der Schutzhütte angeboten werden. Der Boden sollte so trocken und abwechslungsreich wie möglich sein. Besonders geeignet sind Spielkastensand, Buchenspäne, Stroh, Kies, Moos, Weichholzgranulat, Steinplatten und andere natürliche Untergründe, so dass die Tiere neben einem regelmäßigen Krallenabrieb auch ausgiebig ihrem Drang zum Buddeln nachgehen können.

Gruppenhaltung und Beschäftigung

Kaninchen sollten nicht allein, sondern mindestens zu zweit, besser noch in Gruppen von drei bis fünf Tieren gehalten werden. Hinsichtlich Verträglichkeit empfehlen sich besonders Gruppenkonstellationen aus kastrierten Böckchen mit einer Überzahl weiblicher Tiere. Grundsätzlich sollte die Einrichtung verschiedene Versteckmöglichkeiten aufweisen (z. B. halboffene Hütten, große Tonröhren), um Konflikte zwischen Gruppenmitgliedern möglichst zu vermeiden. Diesem Ziel dienen auch mehrere Fressplätze, da Futterneid häufig Anlass für Streitigkeiten ist. Bieten Sie außerdem ausreichend Beschäftigungsmöglichkeiten an. Verschiedene Gegenstände aus Holz oder (belaubte) Zweige bestimmter Bäume (z. B. ungespritzte Obstbäume, Erle, Esche, Linde, Weide in kleinen Mengen) können benagt werden, Baumstümpfe dienen zum Überspringen oder als Ausguck. Das „Erarbeiten von Futter“ (z. B. mit Wäscheklammern an einer Wäscheleine befestigte Grasbüschel, auf ein Sisalseil aufgefädelte Frischfutterstücke) ist ein sinnvoller Zeitvertreib. So kann eine abwechslungsreiche Haltung gewährleistet werden, die Langeweile und daraus resultierende Verhaltensstörungen gar nicht erst aufkommen lässt.

Die Umstellung auf Außenhaltung

Die schrittweise Umgewöhnung von Kaninchen an eine artgerechte Haltung im Freien sollte im Frühjahr bei gemäßigten Temperaturen erfolgen. Besteht der Boden im Gehege auch aus Wiese, erhalten die Kaninchen zunächst zusätzlich zum gewohnten Futter in kleinen Portionen frisches Wiesengras, um einen abrupten Futterwechsel im Außengehege mit daraus resultierenden Verdauungsstörungen zu vermeiden. Wenn es draußen frostfrei ist, können die Tiere zunächst tagsüber stundenweise auf die trockene Wiese gesetzt werden. Später dürfen die Kaninchen länger und auch in frostfreien Nächten draußen bleiben. Dies gilt natürlich nicht für Jungtiere und ihre Mütter sowie für erkrankte Tiere. Im Herbst werden die Kaninchen durch energiereicheres Futter sowie Vitamin-C-reiches Grünfutter auf den Winter vorbereitet. So bauen sie Fettreserven und ein stabiles Immunsystem auf. Auch bei Temperaturen unter null Grad können entsprechend vorbereitete Kaninchen draußen bleiben, wenn man mit einer dicken Lage Einstreu und ggf. einer Wärmeplatte unter der gut isolierten Schutzhütte für Frostfreiheit in ihrem Unterschlupf sorgt.
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