Blasenentzündungen kommen bei unseren Haustieren (Hund und Katze, aber auch Meerschweinchen, Kaninchen und Frettchen) ebenso vor wie bei uns Zweibeinern, und zwar in jedem Alter. Auch die Symptomatik ist der des Menschen ähnlich, so dass Sie eine Harnblasenentzündung (Zystitis) bei Ihrem Tier relativ leicht erkennen. Aus der zunächst akuten Entzündung entwickelt sich oft eine chronische Zystitis.

Ursachen einer Zystitis

Die häufigste Ursache beim Hund sind Bakterien wie E. coli, Streptokokken oder Staphylokokken, die aus der Umgebung der Harnröhre (Scheide, Enddarm bei der Hündin, Vorhaut oder Prostata sowie Enddarm beim Rüden) stammen können. Hündinnen sind aufgrund ihrer kürzeren Harnröhre häufiger betroffen als Rüden, vor allem wenn der Schließmuskel der Blase nach einer Kastration geschwächt ist und Keime dadurch leichter in die Blase aufsteigen können.

Bei Katzen sehr häufig, in einigen Fällen aber auch bei Hunden, spielen Harnkristalle und -steine eine wichtige Rolle als Auslöser einer Blasenreizung und -entzündung. Sie schädigen die Blasenschleimhaut mechanisch mit der Folge einer Entzündung, wobei sekundär mitunter Bakterien beteiligt sind. Kleine Steine können zudem in die Harnröhre gelangen und diese verlegen. Dann entsteht ein äußerst schmerzhafter Rückstau des Harns, der sich bei längerem Bestehen über die Harnleiter bis zu den Nieren erstreckt und diese schädigt. Ein Harnröhrenverschluss ist ein lebensbedrohlicher Notfall! Die Ursache für die Bildung von Harnkristallen oder -steinen beeinflusst deren Zusammensetzung. Struvitsteine entstehen besonders in alkalischem Milieu (pH-Wert über 7), Oxalat- und Cystinsteine dagegen eher in saurem Urin (pH-Wert unter 7). Genetisch bedingte Stoffwechseldispositionen spielen ebenfalls häufig eine Rolle bei der Entstehung bestimmter Steinarten. So treten beispielsweise Uratsteine bei Dalmatinern und Cystinsteine vorwiegend beim Teckel auf. Eine Besonderheit bei der Katze ist eine häufig wiederkehrende Zystitis, bei der sich keine Ursachen wie Bakterien oder Harnkonkremente nachweisen lassen. Sie betrifft insbesondere übergewichtige, wenig aktive Katzen in Mehrkatzenhaushalten. Stress für die Tiere scheint hier eine Rolle zu spielen.

Die Symptomatik

Wie bereits erwähnt, zeigen Hunde und Katzen ähnliche Symptome einer Zystitis wie wir Menschen, insbesondere Harndrang (Strangurie, also häufiges „Müssen“) und häufigen Absatz kleiner Harnmengen (Pollakisurie). Hinzu kommen verstärkte Unruhe und oftmals Unsauberkeit von eigentlich stubenreinen Hunden und Katzen, Symptome, die manchmal das erste Anzeichen einer Harnwegsproblematik darstellen. Manche Hunde stehen minutenlang und versuchen, Urin abzusetzen, aber er läuft nur tropfenweise und nicht im Strahl. Der Urin riecht oft sehr streng und zeigt eine Trübung und/oder rötliche Färbung aufgrund einer Blutbeimengung. In schweren Fällen kann die Entzündung die Nieren erfassen und mit Fieber, Müdigkeit und allgemeiner Abgeschlagenheit einhergehen. Wenn Sie eines oder mehrere dieser Symptome feststellen, sollten Sie umgehend zu uns in die Klinik kommen. Bringen Sie am besten gleich eine frische Urinprobe mit, die Sie ganz einfach mit einer sauberen Suppenkelle oder breiten, flachen Plastikschale auffangen und in ein heiß gespültes Schraubglas füllen.

Die Diagnostik

Bei uns in der Klinik wird nach einer allgemeinen Untersuchung des Tieres der Urin im Labor auf verschiedene Parameter wie beispielsweise den pH-Wert (Säuregrad), Blutbeimengungen, Eiweiß- und Zuckergehalt, Zellen und Kristalle untersucht. Um die beteiligten Bakterien genau zu bestimmen, muss ggf. Urin steril aus der Blase entnommen werden, was durch eine Punktion der Blase (Zystozentese) unter Ultraschallkontrolle erfolgt. Bei Verdacht auf einen Harnstein, Tumor oder Polypen können Bildgebungsverfahren wie eine Ultraschalluntersuchung sowie ein Röntgenbild der Blase Klarheit bringen.

Die Therapie

In Abhängigkeit von der Ursache und Ausprägung der Blasenentzündung kommen Antibiotika nach bakteriologischer Bestimmung der Keimart einschließlich Antibiogramm sowie Schmerzmittel zum Einsatz. Harnsteine oder Umfangsvermehrungen wie Polypen oder Tumore sollten kurzfristig chirurgisch entfernt werden, um einen normalen Harnabfluss wiederherzustellen. Harnkristalle oder -steine lassen wir immer auf ihre chemische Zusammensetzung hin analysieren, damit unsere Ernährungsexperten basierend auf dem Ergebnis eine speziell abgestimmte Diät zusammenstellen können. Unterstützend können Glukosaminoglykane, Omega-3-Fettsäuren und den pH-Wert des Urins beeinflussende Futterergänzungen zum Einsatz kommen.

Maßnahmen zur weiteren Versorgung des Patienten

Da die Rezidivgefahr bei Kristallen oder Steinen recht hoch ist, sollten davon betroffene Hunde und Katzen dauerhaft eine abgestimmte Diätnahrung erhalten, während zusätzlich die Wasseraufnahme gesteigert wird. Dies gelingt durch Anreicherung der Nahrung mit Wasser oder aber eine leichte Fleischbrühe für Hunde bzw. „weißes Wasser“ (ein Schuss laktosefreie Milch ins Trinkwasser) für Katzen. Durch die gesteigerte Flüssigkeitszufuhr wird der Urin verdünnt und das Risiko einer Kristall- oder Steinbildung sinkt signifikant.