Wir alle kennen sie, diese ungemein süß aussehenden Hunde der kurzköpfigen Rassen, wie z. B. Mops, Französische Bulldogge, Englische Bulldogge, Boston Terrier und Co. Ihre rundliche Kopfform und die großen Augen, ein als „Kindchenschema“ bezeichnetes Aussehen, löst bei uns einen Schlüsselreiz aus. Dadurch nehmen wir sie unweigerlich als besonders niedlich wahr und unser Fürsorgetrieb wird aktiviert. Zudem sind Hunde dieser Rassen in den meisten Fällen ausgesprochen freundlich und zeigen ein liebenswertes, gelehriges Wesen. Diese Eigenschaften haben maßgeblich zur wachsenden Beliebtheit dieser Rassen beigetragen. Etliche dieser Hunde zahlen dafür aber einen hohen Preis.

Die Brachyzephalie, oft Ursache von Gesundheitsproblemen

Brachyzephalie ist ein aus dem Griechischen stammender Begriff und bedeutet kurzer Kopf. Die unnatürlich kurze Form des Kopfes geht insbesondere mit anatomischen Veränderungen des Nasen-Rachen-Raumes, d. h. des oberen Atmungstrakts einher, die in Abhängigkeit von ihrer Ausprägung die Atmung beeinträchtigen und zu Atemnot führen können. Die sich aus dieser Deformation ergebenden typischen Symptome werden als „brachyzephales obstruktives Syndrom (BOS)“ zusammengefasst:

  • lautes Schnarchen im Schlaf oder Wachzustand
  • Atemgeräusche, als wäre der Patient „verschleimt“ oder „erkältet“
  • Kurzatmigkeit und geringe Belastbarkeit
  • blaue Verfärbung der Zunge (Anzeichen eines Sauerstoffmangels) schon bei geringer Bewegung oder in Ruhe
  • Würgen oder Erbrechen während oder nach der körperlichen Bewegung bis hin zum Kollaps
  • nur eingeschränkte Wärmeabgabe durch Hecheln möglich, daher Gefahr einer Überhitzung im Sommer
  • nächtliche Schlafstörungen (vgl. Schlafapnoe des Menschen) mit der Folge von Müdigkeit am Tag
  • bei schwerwiegender Ausprägung Gefahr des akuten Erstickungstodes

Die Diagnostik

Die Symptome des BOS sind zwar deutlich, gelten bei Hunden dieser Rassen aber oft als „normal“. Mancher Hundebesitzer betrachtet das Schnorcheln seines Hundes bei der Atmung sogar als liebenswerte Eigenschaft. Der Schweregrad der Symptomatik steigt kontinuierlich und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit des Tieres werden häufig deutlich unterschätzt. Permanente Atemnot, Bewegungseinschränkung, ständige Müdigkeit aufgrund von Schlafstörungen und mangelnde Thermoregulation sind jedoch eine starke chronische  Beeinträchtigung des Wohlbefindens für den geliebten Vierbeiner. Die folgenden Untersuchungen dienen einer genauen Einschätzung der anatomischen Veränderungen und damit einer sinnvollen Planung der zur Verfügung stehenden Behandlungsmaßnahmen:

  • äußere Beurteilung des Naseneingangs
  • Beurteilung des Rachenraumes mit Gaumensegel, Zunge und Kehlkopf
  • Computertomographie des Kopfes zur Darstellung der Nasenmuscheln sowie der Schädel- und Rachendimensionen
  • Endoskopie der Nasenhöhle sowie des Nasen-Rachen-Raumes zur anatomischen und funktionellen Beurteilung der oberen Atemwege
  • Röntgen des Brustkorbs zur Beurteilung von Luftröhre, Lunge und Zwerchfell

Die Therapie

Die Behandlung hat zum Ziel, den Atemwiderstand signifikant zu verringern. Dies ist nur durch einen chirurgischen Eingriff möglich, der bei jedem Patienten individuell auf die Korrektur der vorliegenden anatomischen Anomalien abgestimmt wird. Bei einem Großteil der betroffenen Hunde reicht eine Erweiterung der verengten Nasenlöcher und des Nasenvorhofs sowie eine Kürzung des Gaumensegels aus. Auch bei einer Vorwölbung der Stimmtaschen kann die chirurgische Entfernung von Gewebe die Atemwege erweitern. Für Hunde mit ausgeprägtem BOS stehen weitere OP-Methoden zur Verfügung, beispielsweise in Form einer Lasertherapie. Begleitend empfiehlt es sich, das Gewicht übergewichtiger Hunde auf Normalgewicht zu reduzieren, um ihre Belastbarkeit zu steigern.

Unseriöse Züchter meiden

Verantwortungsvolle Züchter bemühen sich, Hunde zu züchten, bei denen die Brachyzephalie nicht zu sehr ausgeprägt ist und keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen verursacht. Aufgrund der Beliebtheit dieser Hunde werden jedoch viele aus dem Ausland importiert. Der Kauf eines Hundes aus unbekannter Herkunft führt leider immer wieder zu einem bösen Erwachen, wenn die geschilderten Probleme mit zunehmendem Alter verstärkt auftreten. Häufig wird eine teure Operation nötig, um dem Hund ein halbwegs angenehmes Leben mit geringen Beschwerden zu ermöglichen. Dies können Sie vermeiden, indem Sie sich frühzeitig informieren, die Elterntiere genau ansehen und sich von Rassekennern beraten lassen.
Selbstverständlich stehen auch wir Ihnen bereits vor dem Hundekauf beratend zur Seite, sprechen Sie uns an!