Das Cushing-Syndrom zählt neben dem Diabetes mellitus zu den häufigsten hormonellen Erkrankungen des Hundes. Es tritt häufig bei älteren Hunden (> 6, meist 9 bis 11 Jahre) und bevorzugt bei Rassen wie Dackel, Pudel, Deutscher Schäferhund, Boxer, Retrievern und einigen Terriern auf. Bei einem Cushing-Syndrom wird der Körper von übermäßigen Mengen an Glukokortikoiden überflutet, die ihre zahlreichen Wirkungen in verschiedensten Stoffwechselvorgängen entfalten. Bildungsort der Glukokortikoide ist die Nebennierenrinde. Bei den Nebennieren handelt es sich – wie der Name sagt – um zwei kleine, neben den Nieren liegende Organe.

Die Funktionen der Glukokortikoide

Glukokortikoide greifen vor allem in den Kohlenhydrat-, Protein- und Fettstoffwechsel, den Wasser- und Elektrolythaushalt, die Blutdruckregulation, Immun- sowie Entzündungsreaktionen ein und spielen bei der Reaktion des Körpers auf Stress eine entscheidende Rolle. Folglich sind auch diese Stoffwechselbereiche im Falle eines Hyperadrenokortizismus am häufigsten von Störungen betroffen.

Die Symptomatik bei einem Cushing-Syndrom

Die klassischen Symptome reichen von verstärktem Durst (Polydypsie), Hunger (Polyphagie) über Stammfettsucht mit typischem Hängebauch, multiplen Hautveränderungen mit Haarverlust (Alopezie) und Hyperpigmentierung bis hin zu verschiedenen anderen Veränderungen (z. B. Störungen der Sexualfunktion, Diabetes, neurologische Symptome). Betroffene Hunde zeigen oftmals verstärktes Hecheln, Lethargie und Muskelschwäche und weisen verschiedene Stoffwechselstörungen auf.

Die Ursachen der Erkrankung

In Abhängigkeit von der Ursache werden drei Formen des Cushing-Syndroms unterschieden.

1. ACTH-abhängig

ACTH, das in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildete Hormon, das die körpereigene Produktion von Glukokortikoiden anregt, wird im Überfluss gebildet (z. B. bei einem Hypophysentumor). Die Nebennierenrinde produziert in der Folge zu viel Glukokortikoide und der Regelmechanismus, der normalerweise durch Rückkopplung diese Produktion bremsen würde, ist gestört.

2. ACTH-unabhängig

Die Überproduktion von Glukokortikoiden wird durch einen Tumor der Nebennierenrinde verursacht. Durch die Gegenregulation stellt die andere Nebennierenrinde ihre Produktion ein, dennoch wird der Organismus mit Glukokortikoiden überschwemmt.

3. Iatrogen (durch Glukokortikoidgaben verursacht)

Im Zuge einer Therapie erhält ein Tier über einen längeren Zeitraum Glukokortikoide wie z. B. Kortison, wodurch es zu den genannten Stoffwechselstörungen kommt. In vielen Fällen ist ein iatrogen verursachtes Cushing-Syndrom reversibel, wenn die Glukokortikoidgaben (sofern möglich) schrittweise ausgeschlichen werden.

Die Diagnose

Das Cushing-Syndrom lässt sich in vielen Fällen bereits anhand der deutlich sichtbaren äußerlichen Veränderungen sowie der begleitenden Symptomatik nahezu eindeutig diagnostizieren.
ACTH-Stimulationstest: Zur Diagnoseabsicherung sowie zur späteren Überprüfung der Einstellung der Medikation ist der ACTH-Stimulationstest die gängigste Methode. Hierfür erfolgt eine Blutentnahme zur Bestimmung des Kortisol-Basalwerts, danach eine Injektion von synthetischem ACTH. Nach 1 Stunde wird erneut Blut entnommen und der stimulierte Kortisolwert bestimmt.
Weitere Untersuchungsmethoden wie der Low-Dose-Dexamethasontest oder der Urin-Cortisol-Creatinin-Quotient (UCC) können zum Einsatz kommen. Zur Differenzierung der Ursache und ggf. Therapieentscheidung kann eine Ultraschalluntersuchung der Nebennieren weitere Informationen liefern.

Die Therapie und Prognose

Sowohl die Strahlentherapie als auch chirurgische Methoden zur Tumorentfernung sind leider wenig erfolgversprechend. Daher wird seit vielen Jahren routinemäßig mit Trilostan medikamentös therapiert. Die Nebenwirkungen des Wirkstoffes sind meist vorübergehend und mild (Erbrechen, Appetitlosigkeit, Durchfall). Bei regelmäßiger Blutkontrolle und entsprechender Einstellung der Medikamentendosis kann ein Hund auch mit einem Cushing-Syndrom durchaus noch einige Jahre mit guter Lebensqualität vor sich haben.