Auch unsere geliebten Vierbeiner können, wenn sie in die Jahre kommen, an einer Demenz ähnlich der des Menschen erkranken. Diese Erkrankung wird als Kognitives Dysfunktionssyndrom (CDS, nach dem englischen Begriff „cognitive dysfunctional syndrome“) bezeichnet. Bei Hunden steigt die Häufigkeit einer Demenz durchschnittlich ab dem 9. Lebensjahr (große Hunde sind früher betroffen, kleine Hunde später). Bei Katzen liegt die Altersgrenze für das Auftreten einer Demenz etwa um das 15. Lebensjahr.

Wie erkennt man eine Demenz bei Hund oder Katze?

Da Hunde und Katzen im Alter zunehmend ruhiger werden, mehr schlafen und sich gemächlicher bewegen, ist es manchmal nicht einfach, eine Demenzerkrankung zu erkennen. Typische Symptome eines CDS sind die folgenden:

  • Orientierungslosigkeit: Das Tier „verirrt“ sich in bekannten Räumen, steht regungslos im Raum und starrt ins Leere, läuft hinter Möbel und findet keinen Ausweg, tritt in Wasser- und Futternäpfe u. v. m.
  • Unsauberkeit: Der Hund meldet sich nicht mehr, wenn er nach Draußen muss und verrichtet das kleine und/oder große Geschäft im Haus, zum Teil sogar direkt nach einem Spaziergang oder trotz freiem Zugang zum Garten. Katzen finden ihre Katzentoilette nicht, insbesondere Katzenklos mit Deckel bereiten Probleme beim Auffinden des Eingangs.
  • Teilnahmslosigkeit: Familienmitglieder, Artgenossen und gute Bekannte werden nicht mehr freudig begrüßt, die Teilnahme am Familienleben nimmt stetig ab. Betroffene Tiere werden launisch oder aggressiv, interagieren kaum noch und lassen sich zum Teil nicht mehr gern berühren.
  • Gestörte Nahrungsaufnahme: Übermäßiger Appetit oder auch Appetitlosigkeit können auftreten.
  • Veränderter Tag-Nacht-Rhythmus: Rastlosigkeit, insbesondere in den Abendstunden und Tiefschlaf am Tag gehören zu den häufig beobachteten Symptomen.
  • Monotone Bewegungsmuster: Anhaltendes ruheloses Im-Kreis-Gehen beispielweise ist typisch für CDS.
  • Unkontrollierte Lautäußerungen: Manche Hunde bellen oder heulen ohne Anlass, Katzen schreien ohne ersichtlichen Grund über längere Zeiträume.

Wie kommt es zum CDS?

Ähnlich wie beim Menschen handelt es sich um eine fortschreitende degenerative Erkrankung des Gehirns. Durch Ablagerungen (Plaques) wird die kognitive Hirnfunktion mehr und mehr eingeschränkt, so dass die betroffenen Hunde und Katzen im Zeitverlauf zunehmend deutlicher an den oben beschriebenen Symptomen leiden. Durch die steigende Lebenserwartung unserer Haustiere, die durch eine immer bessere Gesundheitsvorsorge und -versorgung bedingt ist, gewinnt Altersdemenz an Relevanz in der tierärztlichen Praxis. Leider ist das CDS aber bislang noch kaum erforscht worden. Man geht davon aus, dass ein Mangel an geistiger Anregung und Aktivität das Fortschreiten der Erkrankung begünstigen können.

Was kann man tun, wenn das Tier an CDS erkrankt?

Um dem Tier so viel Orientierung wie möglich zu geben, sind klar strukturierte Tagesabläufe, feste Routinen bei Spaziergängen, Fütterung und im gesamten Umgang mit dem Tier sowie ein ruhiges, wenig aufregendes Umfeld optimal für den Patienten. Jegliche Art von Hilfen wie beispielsweise Katzentoiletten ohne Deckel an mehreren Orten im Haus verteilt, Wassernäpfe, die nicht umkippen können, Kindergitter vor gefährlichen Treppenabgängen etc. helfen, den Alltag besser und gefahrloser zu meistern. Zu Beginn der Erkrankung sind ruhige Spiele und Kuscheleinheiten zur geistigen und körperlichen Anregung sinnvoll, bei fortgeschrittener Demenz wird das Tier diese Interaktionen verweigern. Freigang sollte das Tier nur noch im gesicherten Umfeld (eingezäunter Garten) und unter Aufsicht erhalten, Spaziergänge mit dem Hund sollten nur noch an der Leine erfolgen.

Gibt es eine Therapie?

Die Demenz ist nicht heilbar, doch lassen sich die Symptome durch Medikamente etwas abmildern. Auch einige Futterzusatzstoffe werden zur Unterstützung der Gehirnfunktion diskutiert, so beispielsweise Antioxidanzien, Omega-3-Fettsäuren (DHA und EPA) und Cholin, zu deren positiver Wirkung es erste Studien gibt. Man sollte jedoch keine Wunder erwarten. Grundsätzlich ist eine Demenzerkrankung des geliebten Vierbeiners mit intensiver Betreuung über einen möglicherweise längeren Zeitraum verbunden. Geduld und Umsicht im Umgang mit dem Patienten sind unentbehrlich. Die emotionale und physische Belastung durch die Betreuung eines dementen Haustieres kann manchmal kräftezehrend sein. Man sollte sich dann nicht scheuen, Unterstützung in der Familie und im Freundeskreis zu suchen, um bei der Betreuung ab und an Entlastung zu erhalten.

Wir beraten Sie in unserer Klinik umfassend zu der spezifischen Symptomatik Ihres Hundes oder Ihrer Katze. Bitte sprechen Sie uns an, denn wir wissen, wie schwierig die Situation mit einem dementen Haustier sein kann, und nehmen uns Zeit für Ihre Sorgen.