Der Begriff Hüft(gelenks)dysplasie (HD) bezeichnet eine Gelenkerkrankung, die besonders häufig bei Hunden großer Rassen, aber auch bei kleineren Hunden und bei einigen Rassekatzen wie z. B. der Maine Coon auftritt. Es gilt mittlerweile als wissenschaftlich gesichert, dass eine genetische Disposition die Hauptursache der HD darstellt, aber weitere Einflussfaktoren für die Ausbildung dieser Deformation der Hüftgelenke eine Rolle spielen. Hierzu zählen eine zu energiereiche Ernährung des Welpen und Junghundes sowie eine Überlastung der noch empfindlichen Gelenkstrukturen durch übermäßige Bewegung während der ersten 12 bis 18 Monate.

Das gesunde Hüftgelenk

Beim Hüftgelenk handelt es sich um ein Kugelgelenk, das einen großen Bewegungsumfang der Hintergliedmaße in nahezu alle Richtungen ermöglicht. Der kugelige Oberschenkelkopf sitzt passgenau in der vom Becken gebildeten Gelenkpfanne. Die Gelenkflächen sind mit Gelenkknorpel überzogen, der zusammen mit der Gelenkschmiere (Synovia) für eine reibungsfreie Bewegung sorgt.

Anatomische Abweichungen

Der aus dem Griechischen stammende Begriff Dysplasie bezeichnet eine Fehlbildung. Bei der HD passen Oberschenkelkopf und Hüftgelenkpfanne nicht optimal zusammen. Diese Inkongruenz besteht ein- oder beidseitig und in unterschiedlicher Ausprägung. Beispielsweise bietet eine zu flach ausgebildete Gelenkpfanne dem Oberschenkelkopf nicht ausreichend Halt oder ein Oberschenkelkopf mit veränderter Anatomie liegt nicht ausreichend tief in der Gelenkpfanne. Diese Veränderungen führen zu einer mangelhaften Gelenkstabilität, der Überlastung bestimmter Gelenkbereiche und in der Folge zu Umbauprozessen am Gelenk (Abnutzung des Gelenkknorpels, knöcherne Zubildungen am Gelenkrand), die vor allem bei älteren Hunden vorliegen. Schmerzen sind die unausweichliche Folge.

Die Symptomatik

Hunde mit einer HD weisen in einigen Fällen bereits ab einem Alter von 6 Monaten eine auffällige Symptomatik auf. Sie sind weniger spielfreudig, vermeiden Sprünge und Treppensteigen, manchmal fällt ihnen sogar das Aufstehen zunehmend schwer. Auch eine ungewöhnliche, eher seitliche Sitzhaltung und Veränderungen im Gangbild können auf eine HD hinweisen. Diese akuten Symptome entstehen durch Schmerzvermeidung. Oft lässt sich schon frühzeitig eine Muskelrückbildung (Atrophie) an der betroffenen Hintergliedmaße feststellen. Ältere Hunde mit HD leiden an den schmerzhaften Folgen des dysplasiebedingten Gelenkverschleißes (Sekundärarthrose) und zeigen einen watschelnden Gang mit einseitiger, meist sogar beidseitiger Lahmheit.

Die Diagnostik

Die klinischen Symptome ermöglichen eine Verdachtsdiagnose, doch die definitive Diagnose mit Erfassung der bestehenden Veränderungen und des Schweregrads der HD ist nur röntgenologisch möglich. Die optimale Lagerung des Hundes zur Erzielung einer auswertbaren Aufnahme erfordert oft eine Kurznarkose des Patienten. Zur Bewertung dienen verschiedene Kriterien, beispielsweise der sogenannte Norberg-Winkel, der bei einem gesunden Gelenk über 105 Grad beträgt. Auch die Kongruenz sowie die Weite des Gelenkspaltes, bereits bestehende arthrotische Veränderungen, die Form des Hüftgelenkkopfes fließen in die Beurteilung ein. Nach den Richtlinien der FCI (größter internationaler Dachverband im Hundewesen) werden die folgenden Grade unterschieden:
  • A = kein Hinweis auf HD, (HD-frei, Grad 0)
  • B = Übergangsform (Grenzfall, Verdacht)
  • C = leichtgradige HD (leichte, geringgradige HD)
  • D = mittelgradige HD (mittlere HD)
  • E = hochgradige HD (schwere HD)

Die Therapie

Die Art der Behandlung hängt von der Ausprägung der Veränderungen und der bestehenden Symptomatik ab. In leichteren Fällen kommen Schmerzmittel und physiotherapeutische Behandlungen zur Anwendung. Für Hunde mit stark ausgeprägter HD stehen verschiedene Operationsmethoden zur Verfügung. Die Wahl der Therapie hängt von zahlreichen Faktoren ab und muss für den einzelnen Patienten getroffen werden. Wir beraten Sie ausführlich und führen bei uns in der Klinik alle erforderlichen Untersuchungen durch, um Ihren Hund optimal zu betreuen. Sollte ein chirurgischer Eingriff nötig werden, ist Ihr Hund bei unseren Spezialisten in den besten Händen.

Züchterische Verantwortung

Seit vielen Jahren schreiben Zuchtverbände für Rassehunde mit einer Disposition für HD eine Röntgenuntersuchung vor. Eine Zuchtzulassung erhalten nur Hunde, deren Hüftgelenke die festgelegten Kriterien erfüllen. Aber auch außerhalb der professionellen Zucht verbietet sich aus Tierschutzgründen die Zucht mit einem Hund, der eine erbliche Veranlagung für eine Erkrankung hat, die mit Schmerzen und Leiden verbunden ist.

Prophylaxe

Da die klinische Ausprägung einer HD nachweislich durch eine adäquate Ernährung in der Wachstumsphase beeinflusst werden kann, empfiehlt sich die Ernährung eines Junghundes einer großen Rasse mit einem dafür konzipierten Aufzuchtfutter. So wird ein gesundes, moderates Wachstum des Junghundes unterstützt, das den sensiblen Gelenkstrukturen ausreichend Zeit zur optimalen Entwicklung bietet. Auch zu diesem Thema stehen wir Ihnen jederzeit beratend zur Seite.