Besonders bei großen Hunden besteht das Risiko, dass sich der Magen unter bestimmten Voraussetzungen um seine Längsachse dreht und somit an Ein- und Ausgang abgeschnürt wird. Möglich ist das, weil der Magen an Bändern aufgehängt ist, die diesem Hohlorgan einen gewissen Bewegungsspielraum bieten. In zahlreichen Studien wurde versucht, Zusammenhänge zwischen der Stärke der Magenfüllung, der Futterart und -struktur, der Bewegungsintensität des Hundes nach der Fütterung und anderen Einflussfaktoren zu ermitteln. Ein eindeutiger Zusammenhang ließ sich nicht finden, doch konnten die Wissenschaftler Empfehlungen zur Vorbeugung der Magendrehung erarbeiten.

Welche Folgen und Symptome hat die Erkrankung?

Durch den partiellen oder teilweisen Verschluss von Ein- und Ausgang des Magens können entstehende Gase nicht mehr entweichen und es kommt zu einer Aufgasung des Magens. Außerdem werden Blutgefäße abgedrückt und damit die Blutversorgung des Magens und angrenzender Organe (z. B. der Milz) stark beeinträchtigt oder ganz unterbunden. Die Aufgasung führt zu einer starken Vergrößerung des Magens, so dass hinter dem Rippenbogen eine Vorwölbung sichtbar wird. Der Hund hat in dieser Situation starke Schmerzen, einen verhärteten Bauch, er hechelt, zeigt extreme Unruhe, speichelt und versucht zu erbrechen. Er möchte sich hinlegen, kann dies aber trotz zunehmender Schwäche nicht. Durch die immense Beeinträchtigung von Herz und Kreislauf verschlechtert sich sein Allgemeinzustand innerhalb kürzester Zeit.

Warum ist eine Magendrehung ein dramatischer Notfall?

Die Mangeldurchblutung des Magens bei gleichzeitig extrem erhöhtem Innendruck hat eine Gewebeschädigung zur Folge und es können Giftstoffe in den Blutkreislauf übergehen. Diese Toxine schädigen andere Organe wie z. B. die Milz, Leber, Nieren oder das Herz. Am Magen selbst können die Gewebeschäden einen Magendurchbruch verursachen. Aufgrund der massiven Kreislaufbeeinträchtigung ist höchste Eile geboten, denn schon nach kurzer Zeit kann der Patient in einen irreversiblen Schockzustand gelangen, der eine Notoperation unmöglich macht.
Eine Magendrehung ist ein sehr ernster Notfall, der sofortige Notfallmaßnahmen erfordert. Zögern Sie bei Verdacht auf diese Erkrankung nicht und kommen Sie direkt zu uns in die Klinik!

Wie erfolgen Diagnose und Therapie?

Nach der Einlieferung in der Klinik wird zunächst der Kreislauf des Hundes durch intravenöse Flüssigkeitszufuhr stabilisiert und gleichzeitig erhält der Patient Schmerzmittel. Die Diagnose „Magendrehung“ kann sehr verlässlich durch eine gründliche Allgemeinuntersuchung sowie Röntgenaufnahmen gestellt werden. Nach erfolgter Stabilisierung des Kreislaufs wird eine Narkose eingeleitet und der Hund operiert. Zunächst wird mit einer Magensonde der Mageninhalt abgelassen und das nun wieder normal große Organ in die richtige Position zurückverlagert. Infolge wird der Magen immer zur Verhinderung eines Wiederauftretens durch eine spezielle, verankernde Naht fixiert.

Welche Heilungsaussichten bestehen?

Die Prognose ist direkt abhängig von der Dauer der Drehung bis zur Einleitung der Notfall-Maßnahmen und Entlastung des Organismus durch die Rückverlagerung des Magens. Die Länge dieses Zeitraums beeinflusst die Ausprägung der Gewebeschädigungen an Magen und inneren Organen sowie die Schwere der Intoxikation. Die ersten Stunden und Tage nach der Operation zeigen, ob Folgeschäden (u.a. schwere Herzthythmusstörungen) eingetreten sind und in welchem Ausmaß sich diese auswirken. Leider überleben einige Patienten die Erkrankung nicht, da ihr Zustand schon bei der Vorstellung in der Klinik zu schlecht ist oder im Nachhinein irreversible Organschäden zum Tod führen.
 

Wie kann man einer Magendrehung vorbeugen?

Alle Hunde, besonders aber Vertreter großer Rassen, sollten nicht nur als Welpe, sondern auch als ausgewachsene Hunde in mehreren kleinen Portionen pro Tag gefüttert werden, um eine Überladung des Magens sowie eine übermäßige Dehnung seiner Aufhängebänder zu vermeiden. Nach dem Fressen ist es sehr wichtig, dem Hund eine Ruhephase „zu verordnen“, die strikt einzuhalten ist. Spielen und Toben sollten für mindestens 45 bis 60 Minuten absolut tabu sein. Auch wenn mancher junge Hund anfangs gegen diese Regel rebellieren wird, lässt sie sich doch mit etwas Konsequenz durchsetzen.

Diese Tipps sind zwar keine Garantie, dass Ihr Hund nie eine Magendrehung erleidet, aber ihre Beachtung senkt auf jeden Fall das Risiko, dass ein solcher Notfall eintritt.