Die Form der Ohren hat nicht nur Einfluss auf die Optik des Hundes

Die Ohren unserer Hunde sind sehr unterschiedlich: vom Schlappohr bis zum Stehohr, von groß bis klein, mit vielen oder wenigen Haaren im Gehörgang. Diese anatomischen Varianten beeinflussen aber nicht nur das Aussehen des Hundes, sondern können auch gesundheitliche Auswirkungen haben. Neben der „Bauart“ der Ohren spielen Lebensweise, Ernährung und einige Aktivitäten der Hunde eine Rolle bei der Entstehung von Ohrentzündungen.
Welche Faktoren eine Ohrentzündung (Otitis) begünstigen und welche vorbeugenden Maßnahmen und Therapien möglich sind, erfahren Sie im Folgenden.

Viel oder wenig Belüftung – ein wichtiger Faktor

Gerade hängende Ohren (wie z. B. beim Cocker Spaniel), die nur wenig Luft in den äußeren Gehörgang einströmen lassen, bieten Bakterien, Pilzen und auch Ohrmilben hervorragende Bedingungen. In der warmen und leicht feuchten Umgebung können sie sich bestens vermehren, was zu einer Reizung und Entzündung des Gehörgangs führt. Die Folge ist Juckreiz, der den Hund veranlasst, am Ohr zu kratzen und den Kopf zu schütteln. Durch das Kratzen wird das Ohr zusätzlich geschädigt und der Juckreiz verstärkt sich. Neben Schlappohren können auch stark behaarte äußere Gehörgänge (wie z. B. beim Pudel) die Entstehung von Ohrentzündungen begünstigen.

Sauberkeit – die Basis gesunder Ohren

Wenn Sie einen solchen Vierbeiner mit wenig belüfteten Gehörgängen haben, sollten Sie die Ohren regelmäßig kontrollieren und bei ersten Anzeichen für eine Reizung oder beginnende Verschmutzung mit einem Ohrreiniger vom Tierarzt reinigen. Aber Achtung: Vor der ersten Anwendung eines Ohrreinigers oder anderer Ohrmedikamente muss der Tierarzt prüfen, ob das Trommelfell Ihres Hundes intakt ist, damit das Medikament nicht ins Mittelohr gelangt. Bitte vermeiden Sie die Verwendung von Ohrenstäbchen, denn neben dem Verletzungsrisiko besteht die Gefahr, dass Sie mit diesen das Ohrenschmalz im Gehörgang nach unten schieben, wodurch die Ohrentzündung verschlimmert würde.

Idealerweise hat der medizinische Ohrreiniger einen leicht sauren pH-Wert von etwa 6,8, um das natürliche Ohrmilieu nicht zu stören. Geben Sie nach Anleitung einen Spritzer Ohrreiniger in jedes Ohr, massieren Sie die Ohren von außen leicht durch und gehen Sie anschließend mit Ihrem Hund nach draußen, damit er sich ohne Verschmutzung der Umgebung schütteln kann. Hat Ihr Hund viele Haare im äußeren Gehörgang, können Sie diese selbst auszupfen oder eine/n professionelle/n Hundefriseur*in damit beauftragen.

Viele Ohrentzündungen entwickeln sich im Sommer

Sommerliche Aktivitäten wie beispielsweise Schwimmen können durch im Gehörgang verbliebene Feuchtigkeit zu Entzündungen führen. Einem schwimmfreudigen Hund sollten Sie regelmäßig die Innenseite der Ohrmuscheln trockentupfen und die Ohren kontrollieren. Ebenfalls im Sommer kommt es gehäuft zum Eindringen von Fremdkörpern in den äußeren Gehörgang. Insbesondere Grannen, die mit ihren Widerhaken immer tiefer ins Ohr vordringen und sich nicht herausschütteln lassen, stellen ein weitverbreitetes Problem dar. Wenn Sie bei Ihrem Hund vermehrtes Kopfschütteln oder eine Schiefhaltung des Kopfes sowie möglicherweise Schmerzäußerungen beim Berühren eines Ohres feststellen, sollten Sie zu uns in die Klinik kommen. Wir schauen mit einem (Video-)Otoskop, einem speziellen Instrument zur Untersuchung der Ohren, in den Gehörgang und ermitteln die Ursache des Ohrproblems.

Weitere mögliche Ursachen für Ohrentzündungen

In zunehmendem Maße werden uns Hunde mit wiederkehrenden Ohrentzündungen vorgestellt. Dies kann mit den beschriebenen begünstigenden Faktoren für eine Otitis zusammenhängen, aber in Betracht kommt auch eine primär zugrundeliegende Erkrankung. Weiterführende Untersuchungen zur Abklärung der Ursachen sind dringend anzuraten, denn beispielsweise liegt in mehr als der Hälfte aller rezidivierenden Ohrentzündungen die Ursache für die Beschwerden in einer Futtermittelallergie oder atopischen Dermatitis, einer bei Hunden sehr häufig auftretenden allergischen Reaktion der Haut auf Umweltallergene.

Abstrich aus dem Ohr (Ohrzytologie) unter dem Mikroskop: Sichtbare Malassezien (Hefepilze)

Abstrich aus dem Ohr (Ohrzytologie) unter dem Mikroskop: Sichtbare Malassezien (Hefepilze)

Die Therapie der Otitis

Die Therapie beginnt in der Regel mit einer sanften Reinigung der Ohren mithilfe eines medizinischen Ohrreinigers. In Abhängigkeit von der diagnostizierten Ursache wird die gezielte Behandlung eingeleitet. Fremdkörper werden je nach Lokalisation und Schwere der Entzündung gegebenenfalls in einer Kurzzeitnarkose entfernt. Die Behandlung der Entzündung erfolgt meist durch Ohrentropfen, die entweder durch den Tierarzt (einmalig oder zweimal im Abstand von 2 Wochen) oder durch den Tierbesitzer (z. B. zweimal täglich) ins Ohr geträufelt und sanft einmassiert werden.

Im Falle einer allergiebedingten Otitis muss das Allergen gefunden werden, um es in der Folge aus der Fütterung oder dem Kontaktbereich des Tieres zu entfernen. Dies kann zum Beispiel bedeuten, dass die Fütterung des Hundes auf eine Allergiediät umgestellt werden muss. Da es mittlerweile zahlreiche vollwertige Diätprodukte im Handel gibt, ist eine solche Diäternährung heutzutage weder besonders aufwendig noch problematisch. Omega-3-Fettsäuren in der Nahrung (z. B. in Lachsöl) unterstützen die Abheilung.

Bitte kontrollieren Sie die Ohren Ihres Hundes regelmäßig und kommen Sie bei Verdacht auf eine Entzündung zur Kontrolle zu uns die Klinik.