Was ist eine Patellaluxation?

Der Begriff „Patella“ bedeutet Kniescheibe und „Luxation“ ist die lateinische Bezeichnung für eine Ausrenkung. Bei einer Patellaluxation handelt es sich somit um eine Ausrenkung der Kniescheibe, das heißt, sie verlässt ihre Führungsrinne, die am Ende des Oberschenkelknochens durch zwei Rollkämme gebildet wird. Die Patellaluxation kann ein- oder beidseitig auftreten. In manchen Fällen ist sie durch eine Verletzung (Unfall) bedingt, aber überwiegend liegt ihr eine angeborene Veranlagung zugrunde. So sind beispielsweise Hunde von Zwerg- und Kleinrassen (z. B. Chihuahua, Zwergpudel, Mops, Yorkshire Terrier) gehäuft betroffen, bei denen sich die Kniescheibe meist nach innen verlagert.

Einteilung in Schweregrade und Diagnostik

Die Patellaluxation wird in vier Schweregrade mit unterschiedlich ausgeprägter Lahmheit eingeteilt. Typisch für eine Patellaluxation Grad 1 bis 3 ist das Erscheinungsbild der temporären Lahmheit, die auftritt, wieder verschwindet und dann zeitweise wieder erscheint.

Grad 1: Die Kniescheibe liegt in der Führungsrinne, lässt sich aber durch leichten Druck luxieren und springt danach wieder in ihre Normalposition zurück. In der Regel sehen wir bei diesem Grad keine deutliche Lahmheit.

Grad 2: Die Patella luxiert ohne Manipulation bei gestrecktem Kniegelenk spontan oder kann aus ihrer Führungsrinne herausgedrückt werden. Sie springt nicht sofort zurück, sondern verbleibt in der luxierten Position, was zu einer vorübergehenden Lahmheit führt. Nach einiger Zeit gleitet sie selbst zurück oder muss manuell zurückverlagert werden.

Grad 3: Die Patella ist permanent luxiert. Sie lässt sich manuell in ihre korrekte Position bringen, wo sie jedoch nicht stabil verbleibt. Der Hund lahmt mit Entlastung der betroffenen Hintergliedmaße, sofern keine beidseitige Patellaluxation vorliegt. Besteht diese, zeigt der Hund sehr kurze Schritte und permanent gebeugte Kniegelenke mit deutlicher Einwärtsdrehung des Unterschenkels.

Grad 4: In diesem Stadium ist die Patella ebenfalls dauerhaft luxiert, kann aber auch manuell nicht zurückverlagert werden. Der Hund lahmt deutlich und hat ein sehr steifes Gangbild.

Bildgebende Diagnostik: Meist steht die Diagnose bereits nach der manuellen Untersuchung eindeutig fest, so dass eine Röntgenaufnahme keine zusätzlichen Erkenntnisse liefert. Bei einer geplanten Operation kann hingegen eine computertomografische Untersuchung für eine optimale Planung des gewählten chirurgischen Verfahrens hilfreich sein.

Die Therapie der Patellaluxation

Bei Grad 1 und eventuell Grad 2 reicht oftmals eine temporäre Schmerztherapie in Kombination mit Schonung aus. Bei öfter auftretenden Luxationen höheren Grades sollte eine Operation in Betracht gezogen werden, um die Lebensqualität des Hundes deutlich zu verbessern. Die Operation zielt darauf ab, eine stabile Platzierung der Kniescheibe im Gelenk zu erreichen. Die angewendete Operationsmethode wird durch die anatomischen Gegebenheiten bestimmt und teilweise erfolgen mehrere Maßnahmen gleichzeitig. Hierzu zählen beispielsweise die Vertiefung der Führungsrinne für die Patella, eine Straffung von Faszien und Gelenkkapsel und ggf. die Behebung einer zur Erkrankung ursächlich beitragenden Verkrümmung der Knochen, die zu einer Fehlstellung im Gelenk beiträgt.

Die Nachsorge und Rehabilitation

Nach der Operation muss das Tier über mind. 6 Wochen geschont werden. Durch einen Halskragen oder eine Halskrause muss dafür gesorgt werden, dass der Hund die Wunde nicht beleckt. Ein Verband stabilisiert das Kniegelenk und schützt zudem die Wunde. Etwa 10 Tage nach der Operation werden die Fäden gezogen. Die strikte Schonung des Tieres mit Leinenpflicht und lediglich sehr kurzen Spaziergängen sollte unbedingt für 6 Wochen eingehalten werden. Physiotherapeutische Behandlungen können die Wiederherstellung der Beweglichkeit effektiv unterstützen. Grundsätzlich ist die Prognose bei dieser Erkrankung sehr gut, bei Grad 4 in Abhängigkeit von der Schwere der Fehlstellung im Gelenk mit Einschränkungen gut.