Die Gründe für eine Nahrungsverweigerung (Inappetenz) Ihres Meerschweinchens können mannigfaltig sein, eines haben sie aber immer gemeinsam: Die Inappetenz stellt einen ernstzunehmenden Notfall dar, denn Meerschweinchen dürfen nicht fasten.

Die Besonderheiten des Verdauungstraktes beim Meerschweinchen

Der Darm ist eher faul

Der Verdauungstrakt erstreckt sich von der Maulhöhle mit den Zähnen und der Zunge über den Magen und Darm bis hin zum After. Die aufgenommene Nahrung wird in der Maulhöhle zerkleinert und durchläuft dann den Magen-Darm-Trakt. Hier werden dem Nahrungsbrei über Verdauungsprozesse die Nährstoffe (Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate, Vitamine und Mineralstoffe) entzogen und dem Körper über die Blutbahn zugeführt. Der unverdauliche Anteil der Nahrung verlässt den Körper über den Enddarm als Kot. Der Weitertransport des Nahrungsbreis wird normalerweise (z. B. bei Hund, Katze und Mensch) durch die Darmbewegungen (die Darmperistaltik) in Gang gehalten. Meerschweinchen hingegen haben nur eine schwach ausgeprägte Magen- und Darmmuskulatur, so dass zur Aufrechterhaltung der Darmbewegung ein permanenter Futternachschub erforderlich ist.

Die Zähne wachsen kontinuierlich

Neben dem eher trägen Darm birgt auch die Maulhöhle der kleinen Gesellen eine Besonderheit. Die Zähne wachsen (wie auch bei anderen Nagetieren) permanent und werden durch den Kontakt der Zähne im Ober- und Unterkiefer beim Kauprozess abgeschliffen. Steht einer der Zähne nicht korrekt, kann dieser Abrieb nicht wie vorgesehen stattfinden. Die betroffenen Zähne wachsen ungehindert weiter und können beispielsweise im Unterkiefer eine Art Brücke über die Zunge bilden oder im Oberkiefer durch spitze Zacken die empfindliche Maulschleimhaut verletzen. Das Tier hat dadurch starke Schmerzen oder kann durch Bewegungseinschränkung der Zunge gar nicht mehr fressen. Sehr häufig sind solche Zahnprobleme der Grund für eine Nahrungsverweigerung.

Die Fütterung von Meerschweinchen – was Sie beachten sollten

Meerschweinchen sind reine Pflanzenfresser (herbivor) und fressen den ganzen Tag; bis zu 100 kleine Mahlzeiten sind völlig normal. Der Darm muss permanent Nachschub bekommen, um in Gang gehalten zu werden. Die Pflanzennahrung sollte rohfaserreich sein, daher steht idealerweise immer gutes Heu zur Verfügung.
Frischfutter kann und sollte zugefüttert werden, allerdings immer nur so viel, wie bis zur nächsten Mahlzeit aufgenommen werden kann! Es bieten sich Gurke, Paprika, Kräuter sowie (aufgrund des Fruchtzuckergehalts) in geringen Mengen auch Obst an. Zweige von Obstbäumen oder Haselnussbüschen eignen sich gut zum Benagen, Weidenzweige aufgrund eines zu hohen Gerbstoffgehalts eher nicht.
Bitte achten Sie auf die Vitamingehalte der Einzel- oder Mischfuttermittel, die Sie einsetzen und lassen Sie sich von uns beraten. Vitamin C wird in hohem Maße benötigt, einige fettlösliche Vitamine (insbes. Vitamin A und D) werden relativ häufig überdosiert.

Gründe für Inappetenz beim Meerschweinchen

So gut wie jede Erkrankung führt letztlich beim Meerschweinchen zur Nahrungsverweigerung. Oftmals sind es aber auch einfache Ursachen wie altes, fauliges oder qualitativ schlechtes Futter, weshalb Sie dieses zuerst überprüfen sollten. Organische Gründe können sein: Zahnerkrankungen, Fettlebersyndrom, Nierenerkrankung, Verstopfung (Obstipation) oder Aufgasung (Tympanie), Gebärmutterentzündung, Tumoren, Virusinfektionen, Schmerzhaftigkeit verschiedenster Körperbereiche sowie andere Organerkrankungen. Zur Abklärung bieten wir in der KleintierKlinik Hannover vielfältige Diagnosemöglichkeiten und ebenso zahlreiche Therapieoptionen.

Fazit: Nur weil ein Meerschweinchen klein ist, heißt es nicht, dass der Tierarzt/die Tierärztin im Krankheitsfall nicht diagnostisch und therapeutisch tätig werden und das Problem lösen kann.

Meerschweinchen artgerecht halten

Nun möchten wir Ihnen noch ein paar allgemeine Hinweise zur artgerechten Haltung von Meerschweinchen geben.

1) Platzbedarf: Der Käfig sollte pro Tier mind. 0,3 m² an Grundfläche und eine zweite Ebene haben. Für jedes Meerschweinchen sollten eine Hängematte und ein Unterschlupfhäuschen vorhanden sein. Idealerweise schließt sich an den Käfig ein Auslaufgehege an.2) Gehegestandort: Stellen Sie das Gehege an einen hellen, trockenen und zugfreien Platz. Der Standort sollte möglichst ruhig sein, da Meerschweinchen sehr geräuschempfindlich sind. Vermeiden Sie laute Musik und sehr hohe Töne.

3) Temperatur: Ideal ist eine Umgebungstemperatur von etwa 20 bis 22 Grad. Bitte stellen Sie das Gehege nicht nah an die Heizung oder auf einen Boden mit Fußbodenheizung.

4) Einstreu: Hier eignen sich insbesondere Holzspäne, Strohpellets, Stroh oder auch Hobelspäne aus Kernholz. Achten Sie bitte darauf, dass die Streu nicht zu fein ist und auf keinen Fall staubt, da sonst Reizungen der Bindehäute der Augen (Konjunktiven) und des Atmungsapparates auftreten können.

5) Beschäftigung: Um Langeweile zu vermeiden, empfehlen wir Kletterrampen, zusätzliche Unterschlupf-Häuschen, Äste und die gezielte Erarbeitung des Futters. So können Sie beispielsweise leckeres Futter etwas höher hängen, so dass die Tiere sich danach recken müssen oder aber Gemüsestücke auf einen dicken Holzstab stecken, von dem es abgeknabbert werden kann.

6) Hygiene: Einmal pro Woche sollte das komplette Gehege inklusive der Einrichtungsgegenstände gründlich gereinigt werden.

7) Rudelhaltung: Meerschweinchen sind gesellig und dürfen nicht als Einzeltiere gehalten werden. Sie sollten im Rudel, aber mindestens zu zweit leben, da sie sehr gern und viel kommunizieren. Kaninchen sind als Partner kein Ersatz für einen Kumpel derselben Spezies!

 

Wir beraten Sie auch vor der Anschaffung eines Heimtieres. Sprechen Sie uns an und vereinbaren Sie einen Beratungstermin, in dem wir alle Ihre Fragen beantworten und Sie ausführlich informieren können.