Die Nebennieren, zwei kleine Organe, die – wie ihr Name besagt – direkt neben den Nieren zu finden sind, bilden Hormone mit lebenswichtiger Bedeutung für den Stoffwechsel sowie den Wasserhaushalt. Vor einiger Zeit haben wir über die Folgen einer Überfunktion der Nebennierenrinde (das sog. Cushing-Syndrom) berichtet. Heute geht es um die Folgen einer Unterfunktion.

Eine lebensbedrohliche Erkrankung mit unspezifischer Symptomatik

Bei Morbus Addison (lateinisch morbus = Krankheit) oder auch Hypoadrenokortizismus werden wichtige Glukokortikoide (z. B. das bekannte Stresshormon Kortisol, das auch Funktionen im Stoffwechsel hat), Mineralokortikoide sowie das für einen funktionierenden Wasser- und Elektrolythaushalt essentielle Aldosteron nicht in ausreichender Menge produziert. Die häufigste Ursache ist eine Zerstörung der Nebennierenrinde, meist durch die körpereigene Immunabwehr (Autoimmunerkrankung). In der Folge zeigen sich eine Reihe recht unspezifischer Symptome, die in ähnlicher Konstellation auch bei anderen Erkrankungen vorkommen, was die Diagnosestellung erschwert. Die folgenden Symptome treten bei Morbus Addison gemeinsam oder allein in unterschiedlicher Ausprägung auf:

  • Appetitmangel
  • Bauchschmerzen
  • starke Müdigkeit, allgemeine Schwäche bis Schlappheit
  • Magen-Darm-Beschwerden mit Erbrechen und/oder teils blutigem Durchfall
  • unerklärbarer Gewichtsverlust
  • Muskelsteifheit und/oder Muskelzuckungen/Zittern
  • verlangsamter Herzschlag
  • Austrocknung (Dehydratation), vermehrter Durst und Harnabsatz

Einen lebensbedrohlichen Verlauf kann die Erkrankung nehmen, wenn sie sich zur sog. „Addison-Krise“ entwickelt, die durch einen Zusammenbruch des Tieres, Schocksymptome und Magen-Darm-Blutungen gekennzeichnet ist. Hierbei handelt es sich um eine hochakute Notfallsituation. Betroffene Hunde bedürfen einer umgehenden tiermedizinischen Versorgung, um ihr Leben zu retten.

Diagnoseschritte bei Verdacht auf Morbus Addison

Um die Erkrankung nachzuweisen, müssen meist mehrere Blutuntersuchungen erfolgen, die neben Kortisol verschiedene andere Parameter umfassen. Überschreitet der Kortisolwert eine bestimmte Schwelle, ist ein Morbus Addison weitgehend ausgeschlossen. Da die Kortisolkonzentration im Tagesverlauf deutlichen Schwankungen unterliegt, reicht umgekehrt ein gemessener Wert unterhalb dieser Schwelle für eine eindeutige Diagnose nicht aus. Hinweise auf einen veränderten Elektrolythaushalt, insbesondere nicht im Normalbereich liegende Natrium- und Kaliumwerte, können den Verdacht erhärten. Der Nachweis der Erkrankung erfolgt über einen ACTH-Stimulationstest.

Für diese spezielle Untersuchung wird dem Hund zweimal im Abstand von einer Stunde eine Blutprobe entnommen. Die erste Blutprobe dient zur Bestimmung des Basalwerts von Kortisol. Unmittelbar danach wird ACTH (adrenokortikotropes Hormon) zur Anregung der Kortisolproduktion gespritzt und eine Stunde später die zweite Blutprobe zur Messung der Kortisolkonzentration gewonnen (Stimulationswert). Anhand von Vergleichskurven wird der Anstieg der Kortisolkonzentration durch die Stimulation mittels ACTH beurteilt, der normalerweise moderat ausfällt. Ein erniedrigter Basalwert sowie ein Ausbleiben des zu erwartenden Kortisolanstiegs nach der ACTH-Gabe deuten auf das Vorliegen eines Morbus Addison hin.

Die Therapie

Bei einer Addison-Krise erfolgt zunächst eine Stabilisierung des Patienten mit Infusion von Elektrolytlösungen und Glukokortikoidgabe, bevor eine Erhaltungstherapie eingeleitet wird. Der Hypoadrenokortizismus ist zwar nicht heilbar, kann aber mit einer konsequenten Langzeittherapie mit Glukokortikoiden und/oder Mineralokortikoiden gut behandelt werden. In der Regel muss Ihr Hund die Medikamente lebenslang erhalten. Während der Einstellung der Medikation in den ersten Wochen und Monaten müssen engmaschige tierärztliche Kontrolluntersuchungen stattfinden. Hat sich die gesundheitliche Situation des Hundes stabilisiert, reichen in der Regel halbjährliche Blutuntersuchungen aus. Es ist unbedingt erforderlich, die Medikamentengaben regelmäßig und zuverlässig durchzuführen, da ansonsten der Hormonhaushalt wieder aus dem Gleichgewicht geraten kann. Wenn diese Ratschläge befolgt werden, hat der Hund eine gute Prognose und eine normale Lebenserwartung bei guter Lebensqualität.